Ich habe vor vielen Jahren begonnen, mich der Astrologie zu widmen.
Als ich zum ersten Mal meine Radix sah, hörte ich eine innere Stimme:
Was steht dort geschrieben?
Was bedeuten diese Zeichen, Linien und Symbole?
Warum erkenne ich mich darin wieder?
Ich begann zu suchen. Autodidaktisch. So wie ich mir einst auch das Fotografieren selbst beigebracht hatte.
Ich las, hörte zu, recherchierte bis spät in die Nacht im Internet und tauchte ein in eine Welt, die sich gleichzeitig uralt und vollkommen lebendig anfühlte.
Eine meiner ersten großen Wegbegleiterinnen war Silke Schäfer. Durch ihre Videos und ihr Buch Der kosmische Moment verstand ich zum ersten Mal, warum Astrologie überhaupt „funktioniert“. Warum ein Geburtshoroskop Dinge sichtbar macht, die ein Mensch oft längst fühlt — noch bevor er Worte dafür hat.
Später begegnete ich meinem Ausbilder Ernst Albrecht Vöhringer. Durch ihn lernte ich, astrologisches Wissen nicht nur zu verstehen, sondern anzuwenden.
Ich begann Transite zu lesen, Solare zu deuten und die feinen Verbindungen zwischen zwei Horoskopen zu erkennen.
Mein Zimmer ist seitdem tapeziert mit astrologischen Notizen. Texte über Häuser, Planeten und Aspekte hängen an den Wänden wie kleine Erinnerungen an etwas, das ich nicht mehr vergessen will.
Albert Einstein soll einmal gesagt haben:
„Je mehr wir unseren Bezug zum Universum wiedererkennen, desto mehr sind wir bei Gott.“
Mit diesen Worten möchte ich von einer Reise erzählen. Einer Reise durch Europa. Mit Hardy — oder wie ich ihn einst in Atlantis nannte: Kael'Rian.
Wir fuhren mit unserem Camper los. Ohne festen Plan. Nur mit dem Wunsch, unterwegs zu sein. Unsere Hündin Tauriel war mit an Bord.
München.
Schweiz.
Frankreich.
Spanien.
Portugal.
Und irgendwo zwischen Straßen, Sternenhimmel und kleinen Küstenorten wartete ein Ort auf uns, den wir schon lange in uns trugen: Die Kathedrale Notre-Dame de Chartres.
Monate zuvor hatten Hardy und ich das Buch Vater unser von Kathleen McGowan gelesen. Darin schreibt sie über das berühmte Labyrinth von Chartres. Über den Weg zur Mitte. Über die sechsblättrige Rose. Über ein Wissen, das älter wirkt als Religion selbst.
Seitdem wollte ich diesen Ort sehen.
Als wir uns Chartres näherten, erschien die Kathedrale bereits viele Kilometer vorher am Horizont. Der Nordturm ragte wie ein steinerner Zeigefinger in den Himmel. 112 Meter aus Licht, Stein und Erinnerung.
Nachdem wir auf dem Campingplatz eingecheckt hatten, gingen wir zu Fuß entlang des Flusses in Richtung Altstadt. Die Luft war warm. Meine Kamera hing über der Schulter. Und schon bevor wir die Kathedrale erreichten, wusste ich: Dieser Ort wollte nicht einfach besichtigt werden. Er wollte erfahren werden.
Dann stand ich davor. Und plötzlich war sie da:
Diese tiefe, kaum erklärbare Verbindung zwischen Astrologie und Gott.
Nicht als Theorie. Nicht als Rebellion gegen Religion. Sondern als Erinnerung daran, dass Himmel und Erde einmal zusammengehörten.
An den Portalen. In den Fenstern. Im Licht. Überall erschienen die Tierkreiszeichen.
Nicht versteckt. Nicht verboten. Sondern eingebettet in die göttliche Ordnung dieser Kathedrale.
Für einen Moment hatte ich das Gefühl, als würde ein uraltes Wissen durch die Mauern atmen. Als hätten jene Menschen, die diesen Ort erschufen, verstanden, dass Spiritualität niemals getrennt vom Kosmos war.
Im Mittelalter gehörten Zahlen, Geometrie, Musik, Sternenordnung und Glaube noch zusammen. Und vielleicht berührt Chartres deshalb so tief:
Weil diese Einheit dort noch spürbar ist.
Als ich vor den berühmten blauen Fenstern stand, verstand ich plötzlich, warum Menschen sie das „Licht des Himmels“ nannten. Dieses Blau wirkte nicht wie Glas. Es wirkte lebendig.
Hardy und ich standen lange schweigend dort. Entdeckten Tierkreiszeichen. Symbolsprache. Die astronomische Uhr im Chor der Kathedrale.
Und mit jedem Detail breitete sich etwas in mir aus:
Freude. Bestätigung. Erinnerung.
Hier war die Astrologie längst verankert. Nicht als Modeerscheinung. Sondern als Teil einer größeren Ordnung.
Mitten im Kirchenschiff liegt das berühmte Labyrinth von Chartres. Einer der bedeutendsten spirituellen Wege Europas. Ein Weg, der nicht gebaut wurde, damit Menschen sich verirren — sondern damit sie bewusst gehen.
Die Form erinnert an eine Blüte. An eine Rose. An etwas Weiches und Heiliges zugleich.
Das Labyrinth führt nicht geradlinig zur Mitte. Es windet sich. Es kehrt zurück. Es täuscht Nähe vor und führt wieder fort. Genau wie das Leben. Der Weg zur Mitte ist niemals gerade. Und doch führt jede Wendung weiter hinein.
An diesem Freitag allerdings war das Labyrinth mit Stühlen bedeckt. Nicht frei zugänglich. Viele Besucher waren enttäuscht. Doch in mir entstand plötzlich ein anderer Gedanke: Es sollte genau so sein.
Vielleicht gibt es Orte, die man nicht beim ersten Mal vollständig betreten kann. Vielleicht muss zuerst etwas in uns selbst frei werden.
Als wir die Kathedrale später wieder verließen, wusste ich: Wie werden zurückkehren.
Nicht nur nach Chartres. Sondern immer wieder zu jener inneren Mitte,
die uns leise ruft, während wir glauben, durch Europa zu reisen.
Alle Fotos von meinem Besuch in Chartres findest du hier: https://www.sandradoornbos.com/cath%C3%A9drale-notre-dame-de-chartres/
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