Die Opposition gehört zu den Aspekten im Horoskop, die häufig als schwierig oder belastend beschrieben werden. Zwei Planeten stehen sich gegenüber. Zwei Kräfte, zwei Bedürfnisse, zwei Seiten, die scheinbar nicht zusammenpassen und schnell kann daraus das Gefühl entstehen: Da ist etwas in mir, das nicht stimmt. Ein Widerspruch. Ein Makel. Vielleicht sogar eine Art Strafe.
Doch was geschieht, wenn wir die Opposition nicht als Fehler betrachten, der behoben werden muss? Mir kam dazu das Bild einer Wippe. Eine Wippe macht eigentlich nur Freude, wenn sie sich bewegen darf. Mal ist die eine Seite oben, mal die andere. Beide Seiten haben ihre Berechtigung. Beide werden gebraucht.
Schwierig wird es erst, wenn eine Seite versucht, sich dauerhaft durchzusetzen. Wenn sie sich stark macht und die andere Seite unten hält – sie gewissermaßen "verhungern" lässt (das war unser Ausdruck in der Kindheit dafür, wenn wir auf der Wippe stärker als unser Gegenüber waren und ihn oben "verhungern" ließen).
Aber: dann hört die Bewegung auf.
Genau so kann eine Opposition im Horoskop erlebt werden. Wir identifizieren uns sehr stark mit dem einen Pol und verdrängen den anderen. Manchmal begegnet er uns dann im Außen – durch andere Menschen, durch Beziehungen oder Situationen, die uns immer wieder mit genau jener Seite konfrontieren, die wir selbst nicht leben wollen oder können. Doch die Lösung besteht nicht darin, dass eine Seite gewinnt.
Eine Opposition will nicht entschieden werden. Sie möchte in Bewegung kommen. Wie auf einer Wippe dürfen ihre beiden Seiten miteinander spielen. Mal braucht die eine mehr Raum, mal die andere. In einer natürlichen, fast wellenförmigen Bewegung entsteht ein lebendiger Austausch zwischen beiden Polen.
Meine eigene Wippe – Venus und Saturn
Um diese Metapher greifbarer zu machen, schaue ich auf eine Opposition in meinem eigenen Horoskop. Eine, die ich gut kenne, deutlich spüre – und immer mehr integrieren möchte.
Meine Venus steht im 1. Haus im Steinbock in gradgenauer Opposition zu Saturn im 7. Haus im Krebs.
Wenn ich diese beiden Seiten auf meine Wippe setze, wird sichtbar, wie viele unterschiedliche Energien hier miteinander in Beziehung treten.
Auf der einen Seite sitzt Venus. Sie möchte lieben, sich verbinden, Harmonie schaffen und Beziehung erleben.
Doch sie steht im 1. Haus. Damit bekommt sie etwas von der Widderenergie dieses Hauses mit: Ich bin. Ich gehe meinen Weg. Ich möchte mich als eigenständiges Wesen erfahren. Und gleichzeitig steht diese Venus im Steinbock. Liebe bekommt dadurch Ernsthaftigkeit. Sie möchte Verlässlichkeit, Verantwortung und etwas, das Bestand hat. Sie will nicht irgendeine Verbindung – sie möchte eine, die trägt. Damit trägt meine Venus bereits etwas Saturnisches in sich. Und noch etwas macht diese Stellung für mich besonders interessant: Venus ist die Herrscherin meines 7. Hauses – des Hauses der Partnerschaft.
Die Herrscherin des DU steht bei mir im Haus des ICH.
Auf der anderen Seite meiner Wippe sitzt Saturn im 7. Haus. Saturn prüft.
Er fragt:
Ist das tragfähig?
Hat es Bestand?
Wo braucht es Grenzen?
Welche Verantwortung übernehme ich?
Welche Form soll daraus entstehen?
Doch dieser Saturn steht ausgerechnet im Krebs. Der Prüfer befindet sich also in einer Welt von Gefühl, Geborgenheit, Zugehörigkeit und emotionaler Sicherheit. Und er steht im 7. Haus, dem Haus der Waage und damit wiederum in einer Venuswelt. Auf einmal wird etwas sichtbar, das mich an dieser Opposition besonders fasziniert:
In meiner Venus steckt Saturn.
Und in meinem Saturn steckt Venus.
Die beiden Seiten meiner Wippe sind sich also gar nicht so fremd, wie es zunächst scheint.
Beide beschäftigen sich mit Beziehung.
Beide suchen Verlässlichkeit.
Beide wollen Sicherheit.
Aber sie gehen von unterschiedlichen Seiten darauf zu.
Venus im 1. Haus fragt: Wo bleibe ich? Saturn im 7. Haus fragt: Was braucht unsere Beziehung, damit sie trägt?
Und genau hier kann die Wippe ins Ungleichgewicht geraten. Wenn ich ausschließlich die eine Seite lebe, könnte ich sagen: Ich muss bei mir bleiben. Ich darf mich in Beziehung nicht verlieren. Ich muss meinen eigenen Weg gehen. Dann könnte die andere Seite verhungern – die Bereitschaft, mich wirklich einzulassen, verbindlich zu werden und Verantwortung für Beziehung zu übernehmen.
Doch genauso kann die Wippe in die andere Richtung kippen. Dann heißt es: Ich muss die Beziehung halten. Ich muss Verantwortung übernehmen. Ich muss dafür sorgen, dass sie bestehen bleibt. Und während ich Beziehung trage, halte und absichere, könnte die Frau auf der anderen Seite meiner Wippe immer leiser werden. Bis irgendwann ihre Frage kaum noch zu hören ist:
Und wo bin eigentlich ich?
Die Aufgabe dieser Opposition besteht deshalb gar nicht darin, Venus und Saturn miteinander zu versöhnen, denn sie sind längst miteinander verbunden. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, ihre Bewegung zuzulassen.
Ich und Du.
Autonomie und Bindung.
Selbstwert und Verantwortung.
Bei mir bleiben und mich einlassen.
Mal braucht die eine Seite mehr Raum. Mal die andere. Die Kunst besteht nicht darin, die Wippe für immer waagerecht festzuhalten, denn eine Wippe, die sich nicht bewegt, ist keine lebendige Wippe mehr. Die Kunst besteht darin, auch dann, wenn ich gerade auf einer Seite bin, nicht zu vergessen, dass die andere ebenfalls zu mir gehört. Die tiefste Frage meiner Venus-Saturn-Opposition lautet deshalb:
Wie kann ich mich an einen anderen Menschen binden, ohne die Bindung an mich selbst zu verlieren?
Von der Wippe zur Brücke
Und ich brauche für die Opposition noch ein zweites Bild.
Wenn ich zwei gegenüberliegende Seiten nur als Trennung betrachte, sehe ich zunächst den Abstand zwischen ihnen. Doch wir können eine Brücke bauen. Eine Brücke löscht keine der beiden Seiten aus. Sie macht auch nicht aus zwei Ufern eines. Sie verbindet sie. Und plötzlich verändert sich die Bedeutung der Opposition.
Aus dem vermeintlichen Makel kann eine Aufgabe werden.
Aus der Strafe eine Möglichkeit.
Aus dem inneren Widerspruch eine Bereicherung.
Denn gerade darin liegt das besondere Geschenk einer Opposition:
Wir lernen, zwei scheinbar gegensätzliche Wahrheiten in uns zu tragen, ohne eine davon aufgeben zu müssen.
Die Mitte ist dabei nicht der Ort, an dem wir für immer stehen müssen, sie ist der Drehpunkt unserer Wippe, unser innerer Halt. Von dort aus dürfen wir uns bewegen, dann muss keine Seite mehr gewinnen. Keine muss verhungern. Dann darf ich erkennen:
Die Opposition ist keine Strafe - Sie ist die Einladung, die Brücke zu bauen.
-Thea Elanari-
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